Malta mit dem Roller: 3 Ausflüge zu meinen Fotospots
Anfang Juni war ich ein paar Tage auf Malta. Tagsüber war ich verplant, aber jeden Nachmittag ab etwa 15 Uhr hatte ich frei. Also habe ich mir einen kleinen Roller ausgeliehen und bin einfach losgefahren. Ohne Plan, ohne Liste, nur mit Kamera und Rucksack. Ich bin von einem Ort zum nächsten gestolpert und habe mich auf der Insel sofort wohlgefühlt.
In diesem Beitrag zeige ich dir meine drei Ausflüge, meine Fotospots, ein bisschen Geschichte zu den Orten und ein paar Tipps, wie du sie selbst fotografieren kannst. Weiter unten findest du eine Karte mit der Route.

Ausgangspunkt St. Julian's
Mein Hotel lag in St. Julian's, im Norden des Hafengebiets. Von hier aus ist man mit Bus oder Roller schnell überall, die Insel ist ja nicht groß. Anfang Juni war es schon richtig heiß, deshalb war der späte Nachmittag ohnehin die beste Zeit: Das Licht wird weicher, die Steine leuchten golden und es ist angenehmer unterwegs.

Die Route auf einen Blick
Tag 1: Mit dem Bus nach Valletta.
Tag 2: Mit dem Roller an die Nordwestküste zu den Clay Cliffs und zum Popeye Village.
Tag 3: Mit dem Roller über Mosta und Mdina zur Blata tal-Melħ, zum Sonnenuntergang und wieder zurück.
Am selben Abend: Auf dem Rückweg noch nach Sliema zum Tigné Point, für den Blick auf Valletta bei Nacht.
Ausflug 1: Mit dem Bus nach Valletta
Valletta ist die kleinste Hauptstadt der EU und fühlt sich an wie ein riesiges Freilichtmuseum. Die Stadt wurde ab 1566 vom Johanniterorden gebaut, gleich nach der großen Belagerung durch die Osmanen, und ist nach Großmeister Jean de la Valette benannt. Seit 1980 gehört die ganze Altstadt zum UNESCO-Welterbe.
Schon der Eingang ist spannend: Durch den tiefen Stadtgraben unter den alten Festungsmauern kommt man zum Stadttor und zum neuen Parlamentsgebäude, beides vom Architekten Renzo Piano. Die Fassade mit ihren ausgefrästen Steinblöcken ist ein Traum für alle, die gern mit Licht und Schatten spielen.
Danach habe ich mich einfach durch die Gassen treiben lassen. Typisch für Malta sind die bunten, geschlossenen Holzbalkone, auf Maltesisch Gallarija. Fast jedes Haus hat einen, und jeder ist ein bisschen anders. Dazu die Nationalbibliothek am Republic Square, die noch aus der Zeit der Ordensritter stammt, und unzählige alte Türklopfer an den Haustüren.
Fototipp: Schau in Valletta nicht nur geradeaus, sondern nach oben und ganz nah hin. Die Balkone wirken von unten fotografiert am stärksten, und die schönsten Motive sind oft Details wie Türklopfer, Hausnummern oder Laternen.
Ausflug 2: Mit dem Roller zu den Clay Cliffs und zum Popeye Village
Am zweiten Nachmittag ging es mit dem Roller an die Nordwestküste. Hier ist Malta ganz anders als in den Städten: steile Küste, wilde Buchten, Felsen aus Kalk und Lehm, dazwischen Kapernsträucher, die einfach am Wegrand blühen.

Weiter im Norden liegt das Popeye Village in der Anchor Bay. Das bunte Holzdorf wurde 1979 und 1980 als Filmkulisse für den Film „Popeye“ mit Robin Williams gebaut und steht seitdem einfach weiter. Heute ist es ein kleiner Freizeitpark. Den schönsten Blick hast du aber von den Klippen gegenüber, von oben auf die Bucht.

Ausflug 3: Mosta, Mdina und Sonnenuntergang an der Blata tal-Melh
Am dritten Tag bin ich ins Landesinnere gefahren. Erster Stopp war Mosta mit seiner Rotunde. Die Kuppel der Kirche ist eine der größten Europas. Am 9. April 1942 fiel während eines Gottesdienstes eine deutsche Fliegerbombe durch die Kuppel, explodierte aber nicht. Niemand wurde verletzt, und für viele Malteser ist das bis heute ein Wunder. Eine Nachbildung der Bombe kann man in der Kirche anschauen.

Weiter ging es nach Mdina, der alten Hauptstadt der Insel. Man nennt sie auch die „stille Stadt“, weil in den Gassen kaum Autos fahren dürfen und es abends wirklich ruhig wird. Das barocke Haupttor stammt von 1724, und wer „Game of Thrones“ kennt, hat es vielleicht schon einmal gesehen: In der ersten Staffel wurde hier gedreht. Mitten in der Stadt steht die Kathedrale des heiligen Paulus, die nach einem großen Erdbeben 1693 neu gebaut wurde.

Zum Sonnenuntergang bin ich an die Westküste gefahren, zur Blata tal-Melħ bei Baħrija. Gefunden habe ich den Platz ganz zufällig. Der Name bedeutet ungefähr „Salzfelsen“, früher wurde hier Salz gewonnen.
Dieser Abend war mein Lieblingsmoment der ganzen Reise, und hier ist auch mein Lieblingsbild entstanden. Malta ist dicht besiedelt, an den bekannten Orten ist immer viel los. Hier war ich ganz allein, keine Menschenseele weit und breit. Die Sonne ist langsam im Meer versunken, die Sandsteinfelsen an der Küste haben im letzten Licht geleuchtet, und ich konnte diesen Moment einfach nur genießen. Ein zauberhafter Augenblick, der sich so nicht wiederholen lässt. Dass es auf Malta so ein ruhiges Plätzchen gibt und ich es per Zufall entdeckt habe, macht ihn für mich noch besonderer.

Zum Schluss: Valletta bei Nacht
Weil ich den Roller noch hatte, wollte ich Valletta am letzten Abend unbedingt noch einmal bei Nacht sehen. Auf dem Rückweg bin ich nach Sliema gefahren, habe den Roller bei The Point Jetty abgestellt und bin die paar Schritte zum Tigné Point gegangen. Gegen 22 Uhr war es schon richtig finster. Von dort sieht man über den Marsamxett-Hafen direkt auf die beleuchtete Skyline von Valletta mit ihren Kuppeln und Kirchtürmen.
Ein Stativ hatte ich nicht dabei. Also bin ich auf die Mauer geklettert, habe mich hingelegt und die Kamera direkt auf die Mauer gesetzt. Mit dem Rucksack darunter konnte ich Höhe und Winkel einstellen. So konnte ich lange belichten, ohne dass die Lichter verwackeln.
An The Point Jetty, wo ich den Roller abgestellt hatte, bin ich zuerst eine ganze Weile stehen geblieben. Unten an einer Bar mit Pool hat eine DJ aufgelegt, ganz für sich allein, denn in der Bar war niemand. Die Leute standen alle oben auf der Aussichtsterrasse und haben hinüber nach Valletta geschaut, das im Hintergrund geleuchtet hat. Sie hat ruhige, stimmungsvolle elektronische Musik gespielt, ein bisschen Dubstep, und uns immer wieder zur Aussichtsplattform hinaufgewunken. Ich glaube, sie wollte uns mit guter Musik in die Bar locken. Geklappt hat es leider nicht, aber für mich war das eine ganz eigene, spannende Stimmung.

Fototipp: Kein Stativ dabei? Leg die Kamera auf eine Mauer, ein Geländer oder deinen Rucksack und nutze den Selbstauslöser mit zwei Sekunden Verzögerung. So verwackelt auch eine Langzeitbelichtung nicht. Mein Bild ist gegen 22 Uhr in der Nacht entstanden. Wer noch etwas Farbe im Himmel möchte, fotografiert zur blauen Stunde, etwa 20 bis 40 Minuten nach Sonnenuntergang.
Meine Tipps für deine Fotoreise nach Malta
Fotografiere am späten Nachmittag und abends. Mittags ist das Licht im Sommer sehr hart und es ist richtig heiß.
Ein Roller ist ideal, um flexibel von Spot zu Spot zu kommen. Achtung: Auf Malta herrscht Linksverkehr.
Nimm genug Wasser mit, vor allem an die Küste, dort gibt es oft keinen Schatten.
Kein Stativ dabei? Mauer, Geländer oder Rucksack tun es auch, dazu den Selbstauslöser.
Ein Weitwinkel für Küste und Gassen, ein Tele für Details wie Balkone und Türklopfer.
In Kirchen und in Mdina leise sein und auf passende Kleidung achten.
Und du?
Warst du schon auf Malta oder planst du eine Reise? Schreib mir deinen Lieblingsspot oder deine Fragen unten in die Kommentare, ich antworte gern.
Wenn du lernen willst, wie du selbst solche Bilder machst, komm zu einem meiner Fotowalks am Traunsee. Dort zeige ich dir genau solche Tricks, von Licht und Bildaufbau bis zur Belichtung ohne Stativ.

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